Wenn du nicht gewinnst, bist du gefeuert…

… mit diesen Worten verabschiedet sich mein Chef von mir. Es ist Freitag Mittag und die Weisswurst, die wir gerade verputzt haben ( vier sind echt zuvie!!!) liegt mir noch schwer im Magen. Ich bin auf den Weg zum Plattling Rodeo. Sicherlich eines der wichtigeren Rodeos der Saison, zählt der Event doch immerhin zum Eurocup, als Deutsche Meisterschaft, zur Quali für die Weltmeisterschaft in Australien und zur Quali für die Europameisterschaft in Spanien…kurz: Es geht um die Wurst und zwar nicht um die Weisse.
„Wenn du nicht gewinnst, bist du gefeuert.“ Mein Chef meint das nicht so, es erscheint aber sehr witzig wenn Kunden im La Ola Shop stehen, dies hören und peinlich berührt fragen wie mein Chef das denn meine. „Ernst natürlich!“ „Dann muss ich wohl!“ antworte ich. Die Kunden denken sich ihren Teil und ich mache mich samt Paddelgewand auf den Weg ins niederbayerische Plattling an der Isar…will natürlich gewinnen…ich muss ja wohl.

Dank Internet bekommt man heutzutage sehr viele Informationen schon vorab: Ablauf des Events, Übernachtungsmöglichkeiten, Verpflegung und die Höhe des Startgeldes sind da nur ein kleiner Teil. Überraschungen gibt es aber immer wieder. So auch in Plattling. Kaum auf das Veranstaltungsgelände gefahren muss ich mit entsetzten feststellen, dass man in Niederbayern anscheinend auch in der horizontale sein Geschäft erledigt, anders kann ich mir die umgekippten Dixi Toiletten nicht erklären. Jeder so wie er es mag! Ansonsten scheint alles Tippi-Toppi. Es gibt ein kleine Ausstellung der Firma Karstadt Sport München, einen Testbereich für Kajaks und Kanu und eine Cocktailbar. Zusammen mit dem unwiderstehlichen Geruch der Steaks auf dem Grill konnte man sich nur wohl fühlen.

Endlich wieder europäisch fühlen. Wer über das Gelände flaniert bekommt schnell einen Eindruck davon, wie viele andere Nationen diesen Sport noch ausüben. Engländer hier, Tschechen dort und da hinten im Eck klingt es nach Russisch, könnten aber auch die Österreicher sein. Auf jeden Fall waren alle da. So auch unser aller Schorschi Schauf, der sein Wohnmobil „Ulla“ wieder reaktiviert hat und für ordnungsgemässe Beschallung des Wettkampfortes sorgt. Ausserdem baut er noch einen Schweinetrog auf, heizt das Wasser darin mittels eines Durchlauferhitzers Marke Eigenbau und sorgt für wohlige Badezimmerstimmung direkt vor Ort mit Blick auf die Walze. Ja man, es ist wieder Rodeo!

Samstag früh ging es dann auch recht planmässig mit den Vorläufen los. Aufgrund der grossen Teilnehmerzahl zogen sie sich bis in den frühen Abend. Juniorinnen, Junioren, C1, Damen K1, OC1, K1 Herren, viele 45 Sekunden Läufe die es zu bewerten gab.
Ganz nebenbei und unscheinbar baute nebenan einen Veranstaltungsfirma die Bühne für das Konzert am Abend auf. Fast schien es als hätten die Organisatoren ACDC geladen, so gross waren die Boxen. Doch für Heiterkeit am Abend sorgte zunächst die Firma Blue and White mit ihrem Pavillion. Dieser überdachte nämlich jede Menge Kisten Bier… zur freien Verfügung. Schnell hatte sich dies herumgesprochen und es wurde gesellig. Zudem entdeckte Malte Reinders, der ewige Junior, noch seine Nachbarin in einem einschlägigen „oben ohne Magazin“ als Superposter. Eine echt nette Nachbarin hat der Malte.
Freibier alle, der Tross zieht weiter. Das Live Konzert hatte mittlererweile begonnen. Orange but Green, eine Band aus dem Norden die durch Kajakvideos von Olaf Obsommer einen Namen in der Freestyle Szene hat, lud zum Tanz. Ich glaube die Jungs waren selber überrascht das so viele Leute ihre Lieder mitsingen können. Toller Auftritt Jungs!

Sonntag ist Finaltag. Und mit den Halbfinals und den Finals kamen dann auch die ersten Überraschungen. Bei den Damen zum Beispiel. Jutta Kaiser patzt im entscheidenen Moment und macht den Weg frei für Susanne Spölmink aus Rosenheim. Aufmerksam Juttas Läufe analysiert entscheidet sie sich für die Spin-to-Win Taktik. In meinen Augen ein Zeichen dafür, dass die Frau den Sport verstanden hat. Die Taktik geht auf, Susanne qualifiziert sich als einzige deutsche für das Finale der Besten Fünf und ist somit neue Deusche Meisterin 2004. Glückwunsch! Jutta Kaiser wird, gefolgt von Antonia Drinnenberg, Vizemeisterin. Gratulation auch den beiden.
Nix neues bei den C1ern und den OC1ern. Der Stephan „Förster“ Pätsch hat alles locker im Griff, gewinnt klar die beiden Klassen für sich und wird abermals deutscher Meiser. Applaus.
Bei den Junioren geht es nicht so zimperlich zu. Malte Reinders (Neuss) und Benedikt Sommerauer (ja genau, der mit dem süssen Gesicht aus dem KANU Magazin…wooow) bieten sich ein sehenswertes Gefecht zu Wasser. McNasty, Trigger und Air Loops der üblen Sorte waren da zu sehen. Benedikt kann sich im entschiedenen Moment durchsetzten und gewinnt nur knapp den Titel, verdient hätten es beide!
Bei den Herren kämpften nicht nur zwei Paddler um den Sieg. Neben mir, Tobias Bersch, Seppi und Simon Strohmeier war auch mein Mitbewohner Christian Hölzel mit von der Partie. Im Finale entschieden dann auch meist nur wenige Punkte wer gehen muss und wer nicht. Als erster war Christian dran, 5. Platz, dann Simon Strohmeier, 4. Platz. Sein Bruder Seppi dann auf 3. Tobias legt mir 324 Punkte vor und ich toppe mit 366 Punkten. Tobi auf 2 und ich verlasse als alter und neuer deutscher Meister das Kehrwasser.

Wenn du nicht gewinnst bist du gefeuert! Die Worte meines Chefs klingen mir noch immer im Ohr… Ich für meinen Teil habe mir meinen Arbeitsplatz für´s erste gesichert…bis zum nächsten Rodeo!

Gruss an alle Chefs da draussen

Nico

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